Forderung

In Betriebe investieren ist besser als sparen

Österreicher horten 200 Milliarden Euro auf niedrig verzinsten Sparbüchern – steuerliche Anreize für private Eigenkapitalgeber gefordert

Erfolge

Die Corona-Krise hat das Sparkapital der Österreicher auf einen neuen Rekordwert anwachsen lassen. Mittlerweile liegen laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) 200 Milliarden Euro auf täglich fälligen Sparbüchern und Konten, also extrem niedrig verzinst. Und das bei einer Inflationsrate, die aktuell ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht hat. Innerhalb von nur eineinhalb Jahren ist der Sparbetrag der Österreicher um 16 Prozent gewachsen. „Es ist Zeit für einen Kurswechsel“, sagt Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck, der für Private neue steuerliche Anreize fordert, damit sie einen Teil ihrer Spareinlagen in heimische Betriebe investieren.

„Gerade für kleine Sparer, die von der jahrelangen Zinsflaute frustriert sind, sich bei den Alternativen derzeit aber nicht sicher genug fühlen, können diese beiden Maßnahmen für ein Umdenken entscheidend sein“ - Walter Ruck

Die Vorschläge im Detail

Konkret fordert Ruck einen Beteiligungsfreibetrag von bis zu 100.000 Euro, der über fünf Jahre absetzbar ist – und zwar für Privatpersonen, die heimischen Unternehmen als Eigenkapitalgeber frisches Risikokapital zur Verfügung stellen. Zusätzlich könnte auch eine staatliche Garantie in Form einer „kleinen Einlagensicherung” ein weiterer, wirksamer Anreiz sein. Die WK Wien schlägt hier eine Höhe von bis zu 50.000 Euro vor, die maximal 30 Prozent der Wert- und Beteiligungspapiere von Privaten, die ihr Sparkapital in heimische Betriebe investieren, abdecken. 

Anreiz vor allem für kleine Sparer

„Gerade für kleine Sparer, die von der jahrelangen Zinsflaute frustriert sind, sich bei den Alternativen derzeit aber nicht sicher genug fühlen, können diese beiden Maßnahmen für ein Umdenken entscheidend sein“, sagt Ruck. „Wenn es gelingt, dass die Österreicherinnen und Österreicher von jedem Sparbuch-Hunderter einen Euro abheben und in ein heimisches Unternehmen investieren, dann bringen wir damit zwei Milliarden Euro frisches Eigenkapital auf, das für betriebliche Investitionen, Innovationen, Forschungsprojekte und die Expansion in neue Märkte verwendet werden kann“, sagt Ruck. Ein wirtschaftlicher Impuls, der nachhaltig wirke.

An Crowdfunding und Stillen Beteiligungen ist das Interesse groß

Dass gerade Wiener Betriebe großes Interesse an privaten Geldgebern haben, zeigte jüngst eine breit angelegte Befragung zum Thema Unternehmensfinanzierung. Demnach hat in den vergangenen drei Jahren bereits jedes neunte Wiener Unternehmen für die Umsetzung von Investitionsprojekten alternative Finanzierungen genutzt – und fast doppelt so viele planen das für die Zukunft. Vor allem an Crowdfunding und Stillen Beteiligungen ist das Interesse groß – eine optimale Einstiegsmöglichkeit für viele private Sparer.

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