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Advent-Lockdown bringt verzwickte Lage

In der heißesten Einkaufsphase des Jahres lässt Österreich seine Rollbalken wieder unten. Wie Handel, Gewerbe und Tourismus das durchstehen, ist ungewiss.

Erfolge

So haben sich die Wiener Betriebe die Adventzeit wohl nicht vorgestellt. Statt voller Geschäfte, Weihnachtsfeiern und Treffen mit Freunden am Punschstand ist Österreich bis 12. Dezember wieder im Lockdown-Modus. Die Bundesregierung hat Wirtschaftshilfen angekündigt, beantragbar sind sie aber noch nicht.

„Die Covid Maßnahmen der Regierung tragen wir voll mit, denn als Wiener Handel ist uns die Sicherheit beim Einkauf sehr wichtig”, sagt die Wiener Handelsobfrau, Margarete Gumprecht. Es sei aber schade, dass die Regierung so spät eingelenkt und nun mitten im Weihnachtsgeschäft Maßnahmen ergriffen hat. Der Lockdown sei sinnvoll, Feinjustierungen aber dringend notwendig, um alle Händler gleich zu bewerten. „Wir fordern eine Sortimentsabgrenzung. Sonst droht eine massive wirtschaftliche Benachteiligung des Non-Food- Handels”, sagt Gumprecht. Elektrohändler etwa müssten sonst zusehen, wie im Lebensmittelhandel reihenweise Fernseher und Laptops verkauft werden.
 

Viele Händler bieten Click & Collect

„Die Regierung ist gefordert, die Hilfen schnell und unbürokratisch zu leisten, damit die Existenz der Händler gesichert werden kann”, Margarete Gumprecht, Obfrau Handel Wien

Besonders hart getroffen sieht Gumprecht unter anderem den Spielewarenhandel, der vor Weihnachten 40 Prozent seines Jahresumsatzes macht. Viele Konsumenten werden Spiele heuer wohl online einkaufen, schätzt Gumprecht, „und meist nicht bei regionalen Händlern. Das heißt, vom Lockdown profitieren internationale Konzerne”, sagt die Handelsobfrau. Sie appelliert an die Unternehmer, die Wirtschaftshilfen sowie die Kurzarbeit-Regelung in Anspruch zu nehmen. Dass viele Händler seit dem ersten Lockdown ihr Online-Angebot massiv ausgebaut haben, Click & Collect anbieten oder mit Paketboxen arbeiten, findet sie besonders lobenswert. Diese Händler hätten nun die Chance, zumindest einen Teil der Verluste abzufedern. Es sei aber klar, dass das Weihnachtsgeschäft nicht nachgeholt werden wird und der Großteil der Produkte unverkäuflich ist. Sie appelliert nun an die Wiener Bevölkerung, so viel wie möglich beim „Händler ums Eck” zu kaufen und auch die zehn Einkaufstage zwischen Lockdown-Ende und Weihnachten dafür zu nutzen.


Herber Rückschlag für Tourismus

„Der Tourismus ist wieder langsam angelaufen, das ist nun schlagartig vorbei.” - Markus Grießler, Obmann Tourismus & Freizeitwirtschaft Wien

Neben dem Handel sind - einmal mehr – auch der Tourismus und die Freizeitwirtschaft vom aktuellen Lockdown betroffen. „Und damit genau jene Unternehmen, die sich erst mühsam von den letzten Rückschlägen erholt haben”, sagt Spartenobmann Markus Grießler. „Der Tourismus hat langsam begonnen wieder anzulaufen, die ersten internationalen Gäste sind wieder da gewesen. Doch das ist nun schlagartig vorbei”, so Grießler. Spüren werde das der Tourismus weit länger als der Lockdown dauert. Die ungünstigste Jahreszeit für einen Lockdown ist es auch für die Gastronomie. Restaurants und Gasthäuser hätten in diesen Wochen absolute Hochsaison - die Verluste werden sie nicht mehr ausgleichen können. Auch zahlreiche Partnerbranchen leiden darunter - von der fleischverarbeitenden Industrie bis zum Bierbrauer, vom Taxi-Unternehmer bis zum Eventmanager. Nicht besser geht es Freizeit-, Kulturund Sportbetrieben wie Kinos, Theatern und Fitnessstudios. Auch sie verzeichnen verlorene Umsätze, die nicht mehr auf- oder nachzuholen sind. „Angesichts der Rekord-Infektionszahlen, die der viel zu niedrigen Impfquote geschuldet sind, müssen wir aber akzeptieren, dass an diesem Lockdown kein Weg vorbeigeführt hat. Wenn die Maßnahmen greifen, sind wir für die Zukunft gerüstet”, hofft Grießler. Wichtig für die Betriebe werde es jetzt sein, wirtschaftlich gut durch die harten Zeiten zu kommen. Es sei daher wichtig, die Wirtschaftshilfen zu nützen - „sie haben sich in den letzten eineinhalb Jahren bewährt”, attestiert Grießler. Ganz besonders wichtig sei die Kurzarbeit: „Wir haben gesehen, wie schwer es gerade in unserer Branche ist, verlorene Mitarbeiter zu ersetzen.” Zugleich regt er an, die harte Zeit erneut als Chance zu nutzen. So habe etwa die Gastronomie mit dem stark wachsenden Geschäft der Essenslieferungen eine neue Erwerbsmöglichkeit gefunden.


Leidensfähigkeit im Gewerbe begrenzt

„Meine Bitte: Maßnahmen einhalten, impfen gehen und regional einkaufen.” - Maria Smodics-Neumann, Obfrau Gewerbe & Handwerk Wien

Auch im Gewerbe und Handwerk sind ganze Branchen mit Betretungsverboten belegt – konkret die körpernahen Dienstleister. Zu ihnen gehören vor allem Kosmetiker, Fußpfleger, Masseure, Tätowierer und Friseure. Anders als im Handel oder in der Gastronomie sind Click & Collect oder Lieferservices hier keine Option, die Betriebsschließung ist damit ein wirtschaftlicher Totalausfall. „Der erneute Lockdown in der Vorweihnachtszeit ist für unsere Betriebe eine große Herausforderung”, sagt Spartenobfrau Maria Smodics-Neumann. Die Vorweihnachtszeit sei für einige Unternehmen die wichtigste Zeit im Jahr, viele haben erwartet, die Rückschläge der letzten eineinhalb Jahre nun ausgleichen zu können. Indirekt betroffen seien auch hier viele Zulieferer der Branchen, aber auch Partner des Veranstaltungsbereichs wie Berufsfotografen, Floristen und Tontechniker. Ich begrüße die unbedingt notwendige Verlängerung der Wirtschaftshilfen, die rasch bei den Unternehmen ankommen muss”, sagt Smodics-Neumann. Gleichzeitig erwarte sie sich eine Solidarisierung der Bevölkerung, die die Schutzmaßnahmen einhalten, die Impfangebote wahrnehmen und die regionalen Angebote nützen solle. Denn bei den Unternehmern sei nicht nur die finanzielle, sondern auch die emotionale Leidensfähigkeit begrenzt. Das weitere Bestehen gesunder Unternehmen sei nur dann möglich, „wenn die Durchimpfungsrate so hoch ist, dass wir mit der Pandemie vernünftig leben können”, sagt die Spartenobfrau. Jeder Lockdown mache es den Betrieben schwieriger, neu durchzustarten.



Quelle: Wiener Wirtschaft, Ausgabe vom 25.11.2021
 

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