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Der Kampf gegen das Wirtschaftsvirus

Österreich befindet sich in der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Maßnahmen, die zu ihrer Bekämpfung gesetzt wurden, sind einzigartig. Doch wie sehen die Schritte in die Zukunft aus? Was kann die Wiener Wirtschaft aus der Krise lernen? Experten der Wirtschaftskammer Wien haben sich darüber Gedanken gemacht.

Erfolge

Anfang März war die wirtschaftliche Lage in Wien stabil mit gutem Ausblick: Die Wirtschaftsforscher sagten für heuer und die kommenden Jahre ein solides Wachstum voraus, die Auftragsbücher der meisten Betriebe waren gut gefüllt. Und mit einem Tag war alles anders. Heute sind 80 Prozent der heimischen Betriebe von der Corona-Krise negativ betroffen, zeigt eine neue Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo. Fast zwei Drittel aller Betriebe nützen das Corona-Kurzarbeitsmodell, jedes fünfte Unternehmen hat geplante Investitionsprojekte gestrichen, weitere 41 Prozent haben Investitionen verschoben - ganz besonders Industriebetriebe. Über Wasser halten sich die Betriebe mit Krediten und staatlicher Hilfe. Jeder zweite der mehr als 1000 befragten Betriebe gab an, dass die staatliche Unterstützung hilft. Jeder Vierte bezeichnet sie als nicht ausreichend bzw. für sie nicht hilfreich. Das verbleibende Viertel meint, aktuell keine Unterstützung zu brauchen.

"Die Konsumenten sind bereit für lokale Anbieter im Internet." Walter Ruck, Präsident der WK Wien

Interessant ist auch: Die meisten Betriebe gehen davon aus, dass sich die Geschäftslage erst Anfang nächsten Jahres normalisieren wird. Dabei reichen die Geldreserven im Schnitt aber nur bis in den frühen Herbst. „Daraus ergibt sich, dass die staatliche Unterstützung für die heimischen Betriebe weiter anhalten muss”, sagt Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck. Für einige Maßnahmen, wie das Corona-Kurzarbeitsmodell, könnte daher eine weitere Verlängerung notwendig werden.
 

Nachdenken über die Zukunft

Wie es nun weitergehen könnte, haben Experten der WK Wien ausgearbeitet. Unter anderem haben sie die spezifische Betroffenheit der Wiener Wirtschaft aufgearbeitet. Hier zeigt sich etwa, wie sehr dem Wiener Tourismus internationale Städtereisende und Kongressteilnehmer fehlen, warum die Lage in der Industrie und im Handel uneinheitlich ist, warum es der Bauwirtschaft relativ gut geht und Berater auf Nachholeffekte hoffen.


Aus der Krise Schlüsse ziehen

In Österreich ist der Höhepunkt der Gesundheitskrise überstanden, die Wirtschaft nimmt wieder an Fahrt auf. Verdaut sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise aber noch lange nicht - weder für Unternehmen noch für den Staat und auch nicht für große Teile der Bevölkerung, die etwa von plötzlicher Arbeitslosigkeit getroffen wurden. Eine schwierige Ausgangslage für die Zukunft, aus der nach Ansicht von Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck und Standortanwalt Alexander Biach sehr konkrete Schlüsse zu ziehen sind.


Möglichst viele Firmen retten.

Selbst wenn ein Unternehmen wegen der Corona-Krise nicht nur leicht erkältet ist, sondern auf der Intensivstation liegt, darf es nicht einfach aufgegeben werden. Denn Ziel muss sein, möglichst viele Betriebe zu retten, um für die Zukunft ein festes Fundament zu haben, auf dem neue Wertschöpfung und Wohlstand aufgebaut werden können. Dazu ist das heimische Insolvenzrecht zu lockern - „es braucht ein spezielles Corona-Sanierungsverfahren”, sagt Ruck.
 

Konjunktur ankurbeln

Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bekommen, müssen unternehmerische und private Investitionen angestoßen werden. „Die Steuern müssen gesenkt, die Bürokratie verschlankt und öffentliche Investitionen vorgezogen werden”, fordert Ruck. In Wien könnten gleich mehrere Infrastrukturprojekte rasch angegangen werden, sagt Ruck: Der Bau des neuen Fernbusterminals etwa, der Breitband- und 5G-Ausbau, Investitionen im Gesundheitsbereich oder auch der Öffi-Ausbau. „Die öffentliche Hand ist angehalten, groß zu investieren”, sagt Ruck.


Im digitalen Zeitalter ankommen.

„Die Corona-Krise und der Lockdown haben gezeigt, dass große und wichtige Teile der Realwirtschaft noch lange nicht im digitalen Zeitalter angekommen sind”, sagt Ruck. Etwa der Handel, aber auch das Gewerbe und Dienstleister. Wer online nicht dabei ist, wird es künftig schwerer haben. Vor allem der stationäre Einzelhandel brauche eine „Rosskur in Sachen Digitalierung”. Gerade jetzt sollten inhabergeführte Betriebe die Gunst der Stunde ergreifen und online gehen. „Die Konsumenten sind bereit für lokale und regionale Anbieter im Internet”, sagt Ruck.


Neue Form des Arbeitens.

Im Bereich Digitalisierung gibt es auch positive Überraschungen - etwa das „sehr flotte, flexible und professionelle Umschalten der Menschen auf Telework und Home-Office”, ergänzt Biach. Bis zu 40 Prozent der Arbeitnehmer arbeiteten am Höhepunkt des Lockdowns von zuhause aus. Hier könnten die Betriebe auf Lernbereitschaft und Flexibilität der Belegschaft vertrauen. Gerade für Digital Natives sei diese Art des Arbeitens normal. Hier habe ein sprunghafter Fortschritt stattgefunden, der gut für Betriebe sei. „Leistungsstarke Datennetze sind daher mehr denn je eine entscheidende Zukunftsfrage”, sagt Biach.

DOWNLOAD: 

„Das Wirtschaftsvirus” - Denkanstöße zur Corona-Krise.

(Quelle: Wirtschaftskammer Wien)

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