News

Derzeit entscheiden nur Stückkosten

Der Markt für Medizinprodukte wachse stetig, die Händler leiden aber unter dem Preisdruck, sagt der Wiener Gremialobmann Alexander Hayn. Auch die Vorschriften für die Branche hätten es in sich.

Erfolge
  • Leichtere Pauschalierungen. Erleichterung für Kleinunternehmer

    Bisher lag die Grenze, um als Kleinunternehmen zu gelten und damit von der Umsatzsteuer befreit zu sein, bei 30.000€ Jahresumsatz. Jahrelang blieb dieser Wert unverändert und wurde seit dem Jahr 2007 nicht an die Inflation angepasst.

  • Anhebung der GWG-Grenze. Erleichterung für alle Selbstständigen

    Aus eigener Erfahrung weiß jeder Betrieb, dass der Kauf eines Laptops, Smartphones, Druckers, von Software(-lizenzen) oder anderer Büroausstattung recht schnell recht teuer werden kann. Nichts ist ärgerlicher, als ein Anlageverzeichnis für diese Dinge zu führen und auf die korrekte Abschreibungsdauer achten zu müssen.

  • Kinderbetreuungsgeld: Neuregelung erreicht

    Bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) wurde ein Jungfamilienfonds eingerichtet. Er soll Selbstständige unterstützen, die wegen einer Fristversäumnis Kinderbetreuungsgeld zurückzahlen mussten.

Vom Heftpflaster bis zum hochtechnischen Computertomographen - so beschreibt Gremialobmann Alexander Hayn die Bandbreite der Produkte, die Medizinproduktehändler vertreiben. Von den 730 Wiener Betrieben, die er vertritt, fallen 630 in diese Branche. Große Vertriebstöchter internationaler Produzenten zählen ebenso dazu wie mittelständische und Ein-Personen-Unternehmen. Der Markt wächst, sagt Hayn, es gebe immer mehr und laufend neue Produkte. 

Steigende Umsätze für die Branche bedeute das deshalb aber nicht immer - oft im Gegenteil. Die öffentliche Hand, mit ihren Spitälern und Gesundheitseinrichtungen ein wichtiger Kunde, spart, „und das führt zu enormem Preisdruck”, so der Branchenvertreter. Dass mit den vorhandenen Mitteln sorgsam umgegangen werden muss, sehe er ein. „Es wäre aber besser, mit - und nicht bei - Medizinprodukten zu sparen.” Derzeit werde nur auf die Stückkosten geachtet, Folgekosten würden außer Acht gelassen. „Ein Wundverband, der im Stückpreis teurer ist, dafür aber weniger oft gewechselt werden muss, kommt unterm Strich günstiger”, erläutert Hayn. Er befürwortet daher die Versorgungsoptimierung unter Berücksichtigung der Gesamtkosten. 

Zusätzlich zum hohen Preisdruck fehle auch die Bereitschaft, Innovationen zu honorieren - in einer innovationsgetriebenen Branche wie dem Medizinproduktesektor fatal. Hayn fürchtet, dass internationale Konzerne Österreich künftig vernachlässigen könnten. Er wünscht sich generell mehr Mut im Land beim Ausprobieren neuer Konzepte und Wege im medizinischen Bereich. 

MDR bringt der Branche viel neuen Verwaltungsaufwand

Als reglementierter Sektor unterliegt der Medizinproduktehandel vielen Vorschriften. 2017 trat eine neue europäische Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation - MDR) in Kraft, die nach der Übergangsfrist im Mai 2020 der Branche viel zusätzliche Bürokratie bringen wird, sagt Hayn. Die Vorschriften für das Inverkehrbringen, die Marktüberwachung und Rückverfolgbarkeit von Medizinprodukten werden verschärft. Generell habe sich die Branchenvertretung in der Formulierung der Verordnung stark eingebracht und es sei auch gelungen, so Hayn, einiges zu entschärfen. Allerdings liege die Verantwortlichkeit künftig stark beim kleinen Händler, der dem großen Hersteller „auf die Finger sehen müsse”. In der Praxis werde das eine riesige Herausforderung. „Ich hätte mir ein System gewünscht, das nicht ausschließlich auf Misstrauen basiert”, so Hayn. Die Fachgruppe plane jedenfalls eine Reihe von Weiterbildungsveranstaltungen zur neuen MDR für ihre Mitglieder. 

Im Gremium sind Medizinproduktehändler mit Foto- und Optik-Händlern vereint - insgesamt rund 100 Betriebe, die eine eigene Berufsgruppe bilden. Ihr Sprecher ist Gerhard Brischnik. Mit dem Medizinproduktehandel verbindet sie die Forderung, den Mehrwertsteuersatz auf jenen von verwandten Produkten zu senken. „Bücher unterliegen ebenso wie Arzneimittel dem reduzierten Steuersatz von zehn Prozent. Für Fotobücher und Medizinprodukte gilt das aber nicht. Das ist nicht nachvollziehbar”, so Hayn.

Quelle: Wiener Wirtschaft

News: Jetzt teilen!