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Die Herausforderung lautet, künftig ausreichend Betreuer zu finden

Genügend Personenbetreuer zu finden, wird für die Vermittlungsagenturen zunehmend zur Herausforderung, sagt Branchensprecher Mario Tasotti. Er wünscht sich mehr Förderungen für die Betreuung zuhause.

Erfolge

Als Mittler zwischen Menschen, die Betreuung brauchen, und jenen, die diese Dienstleistung anbieten, sind die Personenbetreuungs-Vermittlungsagenturen in einer verantwortungsvollen Position. „Und es ist ein emotional herausfordernder Job”, sagt Mario Tasotti, stellvertretender Obmann der Wiener Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung und selbst Inhaber einer Agentur. Betreuungsbedürftige Menschen und ihre Angehörigen seien meist in einem Ausnahmezustand, wenn sie zur Agentur kommen. Auch für die meist weiblichen Betreuer ist jeder neue Job eine neue Herausforderung. Eine Agentur müsse hier stabilisierend wirken und eine für alle Seiten optimale Lösung finden, so der Branchensprecher.

Was in aller Regel auch gelinge. Durch die Darstellung negativer Einzelfälle in den Medien entstehe in der Öffentlichkeit aber oft ein falsches Bild der Branche. „Der Großteil aller Fälle in der Personenbetreuung funktioniert gut”, betont der Branchensprecher. Auch eine Umfrage des Gallup-Instituts aus dem Jahr 2017 ergab hohe Zufriedenheitswerte mit dem derzeitigen Modell, bei dem die Betreuerinnen selbstständig tätig sind. 

In der Rekrutierung der meist aus Osteuropa stammenden Betreuerinnen arbeiten viele heimische Agenturen mit Partnern in den Herkunftsländern zusammen. Es ist jedoch die Aufgabe jeder Agentur, die Kompetenzen der Betreuerinnen hinsichtlich Ausbildung, Betreuungserfahrungen und Deutschkenntnissen anhand eines standardisierten Prozesses zu überprüfen und das auch zu dokumentieren. Die Agentur haftet laut Tasotti zwar nicht für das Verhalten der vermittelten Betreuungskräfte, sehr wohl aber für eine sorgfältige Auswahl. „Das ist unsere Kernverantwortung.” 

Daher ist die Branche um Qualität bemüht. Es gibt strenge Standes- und Ausübungsregeln, ein Gütesiegel für Agenturen soll 2019 kommen. Auch ein Zertifikat für Personenbetreuer ist angedacht. „Das könnte generell zu mehr Transparenz hinsichtlich der Kompetenzen der Betreuerinnen beitragen und als objektive Basis für eine kompetenz- und leistungsbezogene Förderung ihrer Dienstleistungen dienen”, sagt Tasotti. Betreuungskräfte zu finden, werde zunehmend zur Herausforderung. Der Bedarf steigt aufgrund der demografischen Entwicklung weiter. Am Beispiel der Slowakei zeigt sich jedoch: Geht es zuhause wirtschaftlich aufwärts, sinkt die Bereitschaft der Menschen, für diesen Job ins Ausland zu gehen. „Wir suchen aktuell schon am äußersten Rand der Europäischen Union”, so Tasotti. 

Mehr Förderungen für mehr Qualität in der Betreuung

Der Branchensprecher fordert daher höhere staatliche Förderungen für die 24-StundenBetreuung und mehr Pflegegeld, damit die Betreuung für Familien leistbar bleibt und die selbstständigen Betreuungskräfte adäquate Einkommen erzielen können. Dafür macht sich auch Harald Janisch, Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung, stark. „Die meisten Menschen wollen zuhause betreut werden, wenn es sich finanziell ausgeht. Zudem kostet ein Pflegeheimplatz um einiges mehr als die aktuelle Förderung der 24-Stunden-Betreuung”, spricht er von einer Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Ebenfalls essenziell ist, so Tasotti, eine Förderung für das Delegieren solcher Tätigkeiten an die Personenbetreuer, die grundsätzlich Ärzten oder Fachpflegepersonal vorbehalten sind, wie etwa das Verabreichen von Medikamenten oder Thrombosespritzen. Die Delegierung erfordert regelmäßige Kontrollen durch medizinisches Fachpersonal - was Betreuungsbedürftige derzeit oft ablehnen, weil sie mit den Betreuungskosten finanziell schon am Limit sind. Eine Förderung der Delegierung würde daher einen unmittelbaren Qualitätsschub in der 24-Stunden-Betreuung bringen.

Quelle: Wiener Wirtschaft

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