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(c) Katharina Schiffl

Frau in der Wirtschaft will „bewegen, nicht gefallen”

„Bewegen, nicht gefallen” lautet das Jahresmotto 2018 von Frau in der Wirtschaft Wien. Wie das zu verstehen ist und warum Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen bei der Netzwerkorganisation der Wirtschaftskammer Wien mitmachen sollten, erzählt die Vorsitzende Martina Denich-Kobula im Gespräch mit der WIENER WIRTSCHAFT.

Erfolge

„Eigentlich sollte es Frau in der Wirtschaft gar nicht mehr brauchen”, sagt Martina Denich-Kobula, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Wien. Doch noch immer kümmern sich überwiegend Frauen um Hausarbeit und die Betreuung der Kinder - bei unternehmerisch tätigen Müttern 73 Prozent wie eine aktuelle Erhebung der KMU Forschung Austria zeigt -, und müssen sich mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinandersetzen.

„Wenn jeder die Hälfte macht, haben wir auch dieses Thema nicht mehr”, erklärt sie, doch soweit sei man in Österreich eben noch nicht. Vorbild sind laut Denich-Kobula skandinavische Länder, in denen mehrere Faktoren zu eben dieser Vereinbarkeit beitragen. Mehr Männer in Kinderkarenz, gute Kinderbetreuungseinrichtungen, flexible Arbeitszeiten und auch Führungspositionen in Teilzeit würden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Und auch Männern viel bringen, ist Denich-Kobula überzeugt.

Um dorthin zu gelangen, müsse man schon bei der Kindererziehung andere Wege beschreiten, auch mehr Kindergärtner und Volksschullehrer einsetzen, um „diverser” zu erziehen, Mädchen und Buben geschlechtsneutraler fördern. „Wir sind in unserer Erziehung nicht so, wie wir sein könnten - so werden z.B. noch immer viele technisch begabte und interessierte Mädchen schon am Weg zu diesen Ausbildungen verloren und in andere Richtungen gedrängt - von der eigenen Familie oder Lehrern.”

Frau in der Wirtschaft sei daher sehr breit aufgestellt und wolle viele Rollenmodelle zeigen. Dazu gebe es auch die Initiative „Unternehmerin macht Schule”, bei der Unternehmerinnen zeigen, was sie leisten, über Unternehmertum sprechen und Schülerinnen zu einer selbstständigen beruflichen Zukunft motivieren. „Die Unternehmerinnen, die bereits eine Schule besucht haben, waren alle begeistert und würden in Zukunft auch wieder Schulen besuchen”, erzählt Denich-Kobula. 54 Unternehmerinnen und 23 Schulen sind bisher an dem Projekt beteiligt.

„Unternehmertum muss wieder geschätzt werden”

Dass Unternehmertum, Arbeit und Leistung in Österreich wieder mehr geschätzt werden, ist Denich-Kobula ein Anliegen. Daher sei die Politik auch gefordert, die Rahmenbedingungen für Unternehmertum zu verbessern. „Man sollte schützen und schätzen, wenn jemand zum Brutto-Inlandsprodukt beiträgt”, sagt sie.

Dringend gesenkt gehören die Lohnnebenkosten, fordert Denich-Kobula. Auch Mitarbeitern sei gar nicht bewusst, was Arbeitgeber an Abgaben leisten, die nicht am Lohnzettel stehen. „Wir bräuchten Lohnzettel, auf denen alle Nebenkosten aufgelistet sind, damit es dafür mehr Verständnis gibt.”

In der Wirtschaft gebe es für Männer und Frauen dieselben Herausforderungen, auch Bürokratie sei z.B. für alle ein großes Thema. Hier fordert Frau in der Wirtschaft einen massiven Abbau des bürokratischen Aufwands und begrüße die diesbezüglichen Ambitionen der neuen Regierung. „Wir haben jetzt eine Regierungsmannschaft, die sich beraten lässt und sich auch Know-how aus der Wirtschaft holt”, sagt sie. Das gelte z.B. auch für die geplante Umsetzung des von Frau in der Wirtschaft geforderten Prinzips „Beraten statt Strafen”, bei dem sich Behörden als Partner der Betriebe verstehen und Unternehmen zuerst beraten, statt gleich Strafen zu verteilen.

Ebenfalls ein gemeinsames Anliegen von Unternehmern und Unternehmerinnen sind flexible Arbeitszeiten. „Das Thema der Arbeitszeit-Flexibilisierung muss in den Branchen gelöst werden können”, sagt Denich-Kobula. Bestehende Regelungen seien zu kompliziert und aufwändig und weder im Interesse der Unternehmer noch ihrer Mitarbeiter. „Unternehmer sind auf ihre Mitarbeiter angewiesen, schätzen sie und sehen sie als wertvolle Ressource. Hier kann man miteinander gute Lösungen finden”, ist sie überzeugt. 

Flexible Arbeitszeit nötig

Frau in der Wirtschaft fordert mehr Flexibilität bei der Höchstarbeitszeit - also eineAnhebung von zehn auf zwölf Stunden täglich - und eine Änderung bei der Zuschlagspflicht bei ZehnStunden-Tagen. Die tägliche Normalarbeitszeitgrenze solle von derzeit acht auf zehn Stunden erhöht werden, unter Beibehaltung der wöchentlichen Normalarbeitszeit von 40 Stunden pro Woche. Die neunte und zehnte Stunde wären dabei zuschlagsfrei - also keine Überstunden. Eine „vernünftige Arbeitszeitflexibilisierung” würde auch viele Frauen trotz Kinderbetreuungspflichten statt Teilzeit in Vollzeit arbeiten lassen, meint Denich-Kobula. „Frauen müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie Kinder haben und arbeiten gehen - man kann Hausarbeit und Kinderbetreuung auch auslagern, das kann man sich aussuchen. Die Kosten für die Kinderbetreuung sollte man aber steuerlich absetzen können”, erklärt Denich-Kobula. Und zwar bis zum 14. Lebensjahr des Kindes, fordert Denich-Kobula eine Anhebung der Absetzbarkeit um vier Jahre. „Man soll es nicht als Errungenschaft unserer Gesellschaft verkaufen, wenn Frauen zu Hause bleiben und dann schlechtere Chancen im Beruf und eine geringere Pension haben.”

Frau in der Wirtschaft als Team

Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft ist Denich-Kobula seit nunmehr zwei Jahren. Sie habe Frau in der Wirtschaft in dieser Zeit bewusst als Team aufgestellt. „Wir wählen gemeinsam ein Jahresmotto, unter das wir dann unsere Veranstaltungen stellen. Heuer ist es ‚Nicht gefallen, sondern bewegen’.” Man müsse sich trauen, etwas zu fordern, denn nur so werde man etwas bewegen. Und dabei könne man eben nicht allen gefallen, sagt sie. Dasgelte z.B auch für die in der Wirtschaft umstrittene  Quotenregelung. „Ich bin prinzipiell dafür, dass der oder die Bessere den Job bekommt, aber wenn wir keine Quotenregelung haben, warten wir noch 100 Jahre, um Gleichberechtigung zu erreichen. Daher bin ich für eine Quotenregelung - aber nicht nur bei Aufsichtsratsmandaten. Wir haben in Österreich einen Frauenanteil von 51 Prozent, daher sollten nicht nur 50 Prozent aller Aufsichtsratsposten, sondern auch aller politischen Ämter und Positionen z.B. auch in der Wirtschaftskammer von Frauen besetzt sein.”

Um den Anteil an Funktionärinnen in der WK Wien zu erhöhen, gibt es seit zwei Jahren ein Mentoring-Programm, das Unternehmerinnen zeigt, was es bedeutet, in der Interessenvertretung als Funktionärin aktiv zu werden. 

„Mit dem Mentoring-Programm geben wir den Mentees und der WK Wien die Chance, einander kennenzulernen. Die Mentees bauen sich zudem während des einjährigen Programms ein Netzwerk auf”, erklärt sie. Und das sei immer hilfreich. Netzwerken, einander unterstützen und Unternehmerinnentum sichtbar machen sei auch einer der Hauptgründe, weshalb Unternehmerinnen bei Frau in der Wirtschaft aktiv mitmachen sollten, sagt Denich-Kobula. Denn Mitglieder sind Unternehmerinnen automatisch. Aktiv beitreten können weibliche Führungskräfte. „Wer in einer Führungsposition ist, ist so gut wie selbstständig. Wer da nicht Leistung erbringt, ist rasch weg vom Fenster”, sagt Denich-Kobula.

Quelle: Wiener Wirtschaft

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