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Modehandel stöhnt unter Bürokratie

Die Gesamtumsätze im Modehandel sind zwar gestiegen, die Bürokratie aber ebenso. Besonders kleine Betriebe sind belastet.

Erfolge

Die heimischen Modehändler fühlen sich immer stärker durch Bürokratie belastet. Das bestätigt eine aktuelle Studie der KMU Forschung Austria, die dazu qualitative Interviews mit Branchenbetrieben geführt hat. In fast 40 Prozent der Modehandelsbetriebe ist mindestens ein Mitarbeiter nur mit bürokratischen Aufgaben beschäftigt. Bei Händlern mit weniger als zehn Mitarbeitern - das sind 87 Prozent aller Branchenbetriebe - belaufen sich die Kosten für die Erfüllung bürokratischer Vorgaben auf durchschnittlich vier Prozent vom Umsatz. Als besondere Herausforderung erachten die Betriebe die vielen Evaluierungsprozesse, etwa im Rahmen der Arbeitsplatzevaluierung. Dass dabei Dinge, die im privaten Haushalt laufend benutzt werden, im Betrieb als mögliche Gefahrenquelle gelten, für deren Handhabung es eine dokumentierte Unterweisung geben muss, werde als Schikane empfunden, sagt Christian Kutsam, stellvertretender Obmann des Bundesgremiums für den Handel mit Mode und Freizeitartikeln. „Müssen wir im Unternehmen wirklich erklären, wie jemand mit einer Schere umgehen soll?” Die neue Datenschutzgrundverordnung sei zudem gerade für kleinere Betriebe eine weitere Belastung. 

Meldepflichten reduzieren

Entlastungspotenzial sieht die Branche bei den Informations-, Melde- und Dokumentationspflichten. So sollten die doppelte Intrastatmeldung für Exporteure und Importeure abgeschafft, Schulungen für die verschiedenen Beauftragten-Bereiche kombiniert angeboten und Prüfungen unterschiedlicher Behörden zeitlich zusammengelegt werden. In Sachen Registrierkassa will die Branche eine dauerhafte Fortschreibung der bis Ende 2020 befristete Regelung, wonach die „handelsübliche Warenbezeichnung” am Beleg durch 15 selbst definierte Warengruppen ersetzt werden kann. Läuft das aus, müssten sich zigtausende Betriebe neue Scannerkassen- und Warenwirtschaftssysteme zulegen - unter hohem Kostenaufwand, den die Ertragssituation oft nicht zulässt. Denn obwohl der Branchenumsatz in den Jahren 2008 bis 2016 nominell um 19 Prozent auf zuletzt 5,3 Milliarden Euro gestiegen ist, kämpft fast jeder zweite Betrieb mit sinkenden Umsätzen. 

Konzentration in Wien verschärft den Wettbewerb

In Wien ist die Situation für den Modehandel noch schwieriger als in den Bundesländern, ist Gremialobmann Herbert Gänsdorfer überzeugt. Die Konzentration in der Stadt mache das Branchenangebot für die Konsumenten leicht überprüfbar und verschärfe den Wettbewerb. Dazu leiden die Betriebe auch stärker unter Beratungsdiebstahl. Auch die eigenen Stores der führenden Markenanbieter und Outletcenter wie jenes in Parndorf seien für die Wiener Händler eine starke Konkurrenz. Für ihn sei es auch nicht nachvollziehbar, dass in Sachen Tourismuszonen und Sonntagsöffnung nicht endlich eine sozialpartnerschaftliche Lösung gefunden werden könne, so Gänsdorfer.

„Insgesamt leben wir in einer Zeit der Konzentration”, sagt er. Er schätzt, dass rund ein Fünftel der Wiener Modehändler mittlerweile mindestens vier Fünftel des Gesamtumsatzes generieren - Tendenz steigend. „Die Nahversorgung ist dadurch als gefährdet zu sehen”, ist er überzeugt. 

Branchenfakten

  • In Österreich gibt es rund 3700 Bekleidungshändler, davon sind gut 2000 in Wien.

  • Die Branche beschäftigt mehr als 42.500 Mitarbeiter.

  • Diese Zahl ist seit 2008 um knapp zehn Prozent gestiegen.

  • Knapp 90 Prozent der Mitarbeiter im Bekleidungseinzelhandel sind weiblich. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten liegt bei 60 Prozent.

  • Der österreichweite Branchenumsatz lag 2016 bei 5,3 Milliarden Euro - eine nominelle Steigerung gegenüber 2008 von 19 Prozent. 

Quelle: Wiener Wirtschaft

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