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„Weniger Stress und mehr Zeit für unsere Kunden”

Die Hartnäckigkeit der Wirtschaftskammer Wien hat sich ausgezahlt. Seit 1. Dezember stehen Anrainerparkzonen werktags von acht bis 16 Uhr auch dem Wirtschaftsverkehr zur Verfügung. Zehntausende Wiener Betriebe freuen sich und profitieren davon.

Erfolge

"Es gehört zum Wesen einer Stadt, dass Fläche ein rares Gut ist. Viele wollen den sehr begrenzt zur Verfügung stehenden Raum für sich nutzen - die Stadt, die Bevölkerung und natürlich auch die Wirtschaft. Hier ein sinnvolles Gleichgewicht und einen vernünftigen Interessenausgleich zu schaffen, ist keine leichte Aufgabe", sagt Wirtschaftskammer (WK) Wien-Präsident Walter Ruck. Unternehmer wissen: Parkplatzsuche kostet - nicht nur Nerven, sondern auch viel Zeit und damit Geld. „Umso ärgerlicher war es, dass Anrainerparkplätze bislang tagsüber zwar oft leer standen, Firmenfahrzeuge aber nicht dort parken durften”, so Ruck.

Doch seit 1. Dezember ist das anders: Werktags von acht bis 16 Uhr dürfen nun auch bestimmte Fahrzeuge des Wirtschaftsverkehrs und soziale Dienste freie Parkplätze in Anrainerparkzonen nutzen. Kleintransporteure, Handwerker mit Servicekarte und Unternehmer mit einer Parkkarte für ihren Bezirk werden davon profitieren (alle Details auf: wko.at/wien/anrainerparken).

Dass dies möglich wurde, ist der Hartnäckigkeit der Interessenvertreter der WK Wien zu verdanken. Von der Jungen Wirtschaft über Innungsmeister und Spartenobmänner bis zum Präsidenten der WK Wien haben sich alle für die nicht nur nach Ansicht der Unternehmer vernünftige Lösung stark gemacht. Eine im Auftrag der WK Wien 2017 durchgeführte Befragung hatte nämlich gezeigt, dass sich auch 77 Prozent der Wiener für eine Öffnung der Anwohnerparkzonen tagsüber für Lieferverkehr und Kunden aussprechen. 

Ein entsprechendes Abkommen mit der Stadt Wien hatte die WK Wien bereits im Frühjahr 2017 unterzeichnet. „Wir sind daher sehr froh, dass jetzt der erste Schritt zur Umsetzung unserer Vereinbarung erfolgt ist. Er bedeutet eine echte Entlastung für zehntausende Betriebe, die täglich in Wien zu Kunden unterwegs sind”, freut sich Ruck. „Wir haben nicht locker gelassen, denn wir wissen, wie wichtig das Thema für Wirtschaftstreibende ist.”

Höhere Kosten durch längere Parkplatzsuche

Das bestätigt auch Robert Breitschopf, Innungsmeister der Wiener Installateure: „Es ist oft passiert, dass Mitarbeiter an leeren Anrainerparkplätzen vorbeifahren mussten. Und speziell aus dem ersten Bezirk habe ich oft Anrufe bekommen: ‚Chef, ich finde keinen Parkplatz und fahre jetzt zurück in die Firma.’ Ich bin total glücklich, dass wir diese Lösung gefunden haben. Das ist im Interesse aller Wiener.”

Auch Roman Sevcik, Chef des Zustellunternehmens „Wiener Dienstmann”, sieht das so. „Wir machen Übersiedlungen und stellen Waren aus Baumärkten an Kunden zu. Wenn wir dabei nicht lange Parkplatz suchen müssen, ist das natürlich für die Kunden günstiger”, so Sevcik. Ein Zustellvorgang ohne Parkplatzsuche dauere im Schnitt zehn bis 15 Minuten, mit Parkplatzsuche und Transport der Waren bis zur Wohnungstür eine halbe bis dreiviertel Stunde.

„Wir suchen oft sogar eine halbe bis dreiviertel Stunde lang einen Parkplatz”, erzählt Leopold Planer, der einen Glaserbetrieb führt. „Wir stellen z.B. Glastrennwände für Bürogebäude zu, die messen bis zu 3,3 Meter mal einen Meter und die müssen wir dann vom Parkplatz hin- und zum Kunden rauftragen.” Je näher man beim Kunden parken könne, desto besser, findet Planer klarerweise.

Bis zu 20 Prozent der Stellplätze konnten von Bezirken für Anrainerparken reserviert werden. Dort durften dann nur Fahrzeuge mit einem Parkkleber für Bewohner parken.

Markus Seiller-Tarbuk, der die Loeblich & Co. Kessel und Apparatebau GmbH & Co. KG, einen Betrieb mit 18 Mitarbeitern, führt, hat die Mehrkosten, die für seinen Betrieb dadurch entstanden sind, sogar berechnet. „Unsere Techniker sind 2017 in den betroffenen Bezirken 4000 Kundendiensteinsätze gefahren. Durch reserviertes Anwohnerparken wurde das Parkplatzangebot um circa 15 Prozent 

verringert. Anfahrt, Parkplatzsuche und Anmarsch zum Kunden wurden im Durchschnitt pro Einsatz um - vorsichtig gerechnet- vier bis sieben Minuten verzögert. Durch diesen Zeitverlust entstehen uns Mehrkosten von rund 32.000 bis 55.000 Euro pro Jahr”, rechnet Seiller-Tarbuk vor. „Das sind Leerzeiten, die letztlich unsere Kunden durch erhöhte Stundensätze treffen. Und da sind die Umweltverschmutzung durch in die Luft geblasene Abgase, Feinstaub und vermeidbarer Verkehrslärm noch gar nicht eingerechnet.”

„Gute Lösung, die vielen Betrieben etwas bringt”

Ich freue mich über diese vernünftige Lösung für unsere Mitgliedsbetriebe, die nun - statt im Kreis zu fahren - mehr Zeit für die Arbeit bei ihren Kunden haben”, sagt Maria Smodics-Neumann, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WK Wien.

„Und es ist erfreulich, wenn Transportfahrzeuge näher beim Kunden parken können und schwere Lasten nicht mehr so weit zu schleppen sind”, sagt Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der WK Wien. Jürgen Tarbauer, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Wien, hatte sich ebenfalls für die Öffnung der Anrainerparkplätze stark gemacht. „Ich kann nur sagen: Endlich geschafft. Es ist schön zu sehen, dass wir das als Junge Wirtschaft und Wirtschaftskammer Wien gemeinsam haben umsetzen können.”

„Eine Lösung, die niemandem etwas wegnimmt, aber zehntausenden Wiener Betrieben eine echte Erleichterung bei ihrer täglichen Arbeit bringt, die auch ihren Kunden hilft und noch dazu die Umwelt schont, ist eine wahrlich gute Lösung”, sagt Ruck.

Anrainerparkzonen

In Wien gab es in den Bezirken 1-9 und 12 bislang 5417 Anrainerparkplätze, die seit 1. Dezember werktags von acht bis 16 Uhr nun auch zehntausenden Fahrzeugen des Wirtschaftsverkehrs und Sozialdiensten offen stehen. Die meisten Anrainerparkplätze sind im ersten Bezirk (1537) und 8. Bezirk (787) zu finden - in jenen zwei Bezirken also, in denen die Beschilderung bislang noch nicht geändert wurde. Die Zahl der Anrainerparkplätze könnte auch noch weiter steigen.

Quelle: Wiener Wirtschaft

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